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Der Dachausbau

Die hohen Dachräume historischer Fachwerkhäuser, besonders die der ehemaligen Bauernhäuser, erfüllen in heutiger Zeit keinen rechten Nutzungszweck mehr. Sie haben als Heu-, Stroh- und Getreidelager ausgedient, selbst wenn immer noch Landwirtschaft betrieben wird. Moderne Agrarwirtschaft verlangt andere Methoden der Futtermittellagerung. Somit bieten sich die leer stehenden Dachräume zur Erweiterung der Wohnraumfläche an.

In einem gewissen Umfang ist ein Dachausbau sinnvoll und möglich. Es müssen jedoch einige grundsätzliche Besonderheiten bedacht werden:
  1. Da es sich fast immer um eine Nutzungsänderung handelt, ist eine Baugenehmigung erforderlich, die beim Bauordnungsamt beantragt werden muss.
  2. Falls das Haus nach dem Dachausbau mehr als zwei Wohneinheiten haben wird, ist als Forderung der Baugenehmigung auch ein Brandschutzgutachten zu beschaffen (gemäß Bauordnung Nordrhein-Westfalen; abweichende Regelungen in anderen Bundesländern sind zu beachten).
  3. Oft ist, wegen der höheren Nutzlasten, auch eine Verstärkung der Dachbodendecke erforderlich, die einer statischen Berechnung bedarf.
  4. Die Belichtung der neuen Wohnbereiche bedingt zusätzliche Lichtöffnungen bzw. Fenster in Giebelwänden und Dachflächen. Dabei ist die Lichtausbeute meist geringer als bei Fenstern in den Normalgeschossen.
  5. Die neuen Treppenaufstiege benötigen große Öffnungen in der Dachbodendecke, was die in Kapitel 8 beschriebenen Gefahren für die Standsicherheit des Dachstuhls mit sich bringen kann.
  6. Der erforderliche Einbau einer innen liegenden Wärmedämmung der Dach- und Giebelflächen ist mit bauphysikalischen Schwierigkeiten verbunden. Die Problematik wurde bereits in Kapitel 6 (siehe S. 115ff.) beschrieben. Für die speziellen Anforderungen beim Dachausbau sollten jedoch abweichende Lösungsvorschläge berücksichtigt werden, die im Folgenden ausführlich dargestellt werden.
  7. Auch die Schalldämmung bedarf wegen der verschiedenartigen Schallphänomene einer besonderen Beachtung. Dabei sind für die Reduzierung von Klopf- und Körperschall ganz andere bauliche Maßnahmen notwendig als für die Dämmung des Luftschalls.
  8. Der Einbau bzw. die angepasste Erweiterung der Hausinstallation birgt weitere Schwierigkeiten in sich und kann unter Umständen zum Austausch der gesamten vorhandenen Haustechnik führen. 175 Vorbereitende Maßnahmen und Überlegungen
  9. Ein weiteres Problemfeld ist der Einbau von Nassräumen wie Bad und Dusche auf Holzbalkendecken. Feuchteschäden gilt es zu vermeiden.
Diese Anmerkungen zum Dachausbau sollen den Bauherrn für die Besonderheiten einer solchen Maßnahme sensibilisieren. Sie kann durchaus sinnvoll und praktikabel sein, stellt aber andere Bedingungen und andere Anforderungen an alle Beteiligten als ein Neubau. Ihr Umfang dagegen kann leicht den einer Neubaumaßnahme annehmen, vor allem in Bezug auf nötige Erweiterungen im bestehenden Wohnbereich, das Aufdecken der Dachflächen und Veränderungen des Dachstuhls, den benötigten Zeitrahmen und die meist
hohen finanziellen Aufwendungen.

Unter einer erfahrenen und umsichtigen Bauleitung können ein Teil der anfallenden Arbeiten sicher auch in Eigenleistung erbracht werden. Eine derart umfassende und ins statische Gefüge eines alten Hauses eingreifende bauliche Maßnahme sollte aber grundsätzlich in die Hände erfahrener Fachleute wie Architekt und Planer, Statiker, Brandschutzfachleute und Handwerksfirmen gegeben werden. Jeder Dachausbau ist ein ganz spezielles
Vorhaben, das für jeden Einzelfall objektbezogen geplant und durchgeführt werden muss. Meine Hilfestellung wird sich deshalb auf technische Lösungsvorschläge und grundsätzliche Hinweise beschränken.

Die technische Durchführung

Die folgenden Ausführungen sollen einen Überblick über den planerischen und technischen Aufwand eines Dachgeschossausbaus bieten und zu den angesprochenen Punkten 1 bis 9, zu behördlichen bzw. gesetzlichen Bestimmungen und zu technischen Lösungen ausführlich Stellung nehmen.

Die Baugenehmigung

Ein Bauantrag muss durch einen bauvorlageberechtigten Architekten beim zuständigen Bauordnungsamt eingereicht werden. Der Antrag umfasst
  • eine Baubeschreibung,
  • einen Lageplan,
  • alle Grundrisse des Hauses in Bestand und beabsichtigter Planung im Maßstab 1:100,
  • die Schnittzeichnungen in Bestand und Planung im Maßstab 1:100,
  • die Ansichtenzeichnungen in Bestand und Planung im Maßstab 1:100,
  • den Wärmebedarfsnachweis,
  • den statischen Nachweis,
  • den Brandschutznachweis.
Dabei wird der Architekt einen Statiker, einen Klimafachmann und einen Brandschutzfachmann hinzuziehen. Mit den baulichen Maßnahmen darf nicht vor Erteilung der Baugenehmigung begonnen werden. Ausgenommen sind Reparaturen bzw. Sanierungsarbeiten am Dach und am Bestand des Hauses.

Der Brandschutz
Wenn durch den geplanten Dachausbau des Hauses mehr als zwei Wohneinheiten entstehen, ist dem Bauantrag auch ein Brandschutzgutachten beizufügen (gemäß Landesbauordnung in Nordrhein-Westfalen von 1999). Diese Bestimmung gilt unabhängig von der späteren Anzahl der Wohneinheiten auch dann, wenn das Haus für eine gewerbliche Nutzung geplant wird oder wenn eine solche bereits vorliegt.

Für die vom Dachausbau betroffenen Tragwerke, Decken und Wohnungstrennwände in einem Fachwerkhaus wird mindestens die Feuerwiderstandsklasse F 60b gefordert. Dies bedeutet:
Das betreffende Bauteil muss einem Feuer auf einer Seite mindestens 60 Minuten standhalten ohne durchzubrechen und ohne dass seine statische Funktion verloren geht. Die Bezeichnung b zeigt an, dass es sich um ein brennbares Bauteil handelt.

Abweichende Bauordnungen in unterschiedlichen Bundesländern beachten!
In Deutschland ist das Baurecht Ländersache. Einzelne Bestimmungen können daher in jedem Bundesland abweichend sein. Der Architekt wird hierzu genauere Auskunft geben können.

Im Normalfall reicht diese Einstufung aus, lediglich bei besonders sicherheitsrelevanten Bauteilen, z.B. bei Treppenhäusern oder bei brandgefährdender Nutzung von Teilen des Gebäudes, kann ein erhöhter Brandschutz gefordert werden, z.B. F 90. Meist ist ein Totalverkleiden der tragenden Holzkonstruktionen zur Erfüllung der Feuerwiderstandsklasse
F 60b nicht nötig. Dies ist aber vom Einzelfall abhängig. Alle Beteiligten sollten gemeinsam für die betroffenen Bauteile Lösungen erarbeiten, die auf den historischen Charakter des Hauses Rücksicht nehmen.

Der statische Nachweis

Die durch den Dachausbau notwendig werdenden baulichen Veränderungen an der Dachbodendecke, am Dachstuhl und an allen anderen davon betroffenen tragenden Bauteilen werden von einem Statiker geplant, der auch den geforderten statischen Nachweis erbringt. Man sollte darauf bestehen, dass nur Holzkonstruktionen zum Einsatz kommen, mit Ausnahme von

Stahlverbindungsmitteln. Als besonders tragfähige und verformungsstabile moderne Holzbauteile bieten sich Leimholzbinder an. Sie bestehen aus vielen
Lagen wasserfest verleimter Nadelholzbohlen mit jeweils gegenläufigen Jahresringen. Leimholzbinder lassen sich in vielfältiger Form, auch gebogen, für jeden Belastungs- und Verwendungszweck herstellen. Stahl- und Betonkonstruktionen sollten unbedingt vermieden werden, weil sie in einem elastischen Fachwerkgefüge als starre Fremdkörper wirken, nicht zuletzt auch
wegen ihres andersartigen thermischen Verhaltens und weil sie nicht zum Fachwerkhaus passen.


Ende der Ledeseprobe!
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